Liebe Bürgerinnen und Bürger,

nach mehr als zwei Jahren intensiver Vorarbeit wurde das ELER-Entwicklungsprogramm EULLE für die Förderperiode 2014 – 2020 im Mai 2015 von EU-Kommission genehmigt. Die Abkürzung EULLE steht für „Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“.


Das Programm wurde im Rahmen eines dialogorientierten und partnerschaftlichen Prozesses gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Bauern-, Winzer- und Umweltverbänden, den Wirtschafts- und Sozialpartnern, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Behörden erarbeitet.


Das Entwicklungsprogramm EULLE ist der „Nachfolger“ von PAUL, dem bisherigen Entwicklungsprogramm „Agrarwirtschaft, Umweltmaßnahmen und Landentwicklung“. Es greift auf die Erfahrungen der letzten Förderperiode zurück und knüpft an dessen Erfolge im Bereich der Landwirtschaft und der ländlichen Entwicklung an.


Mit Hilfe von EULLE werden in den nächsten Jahren rund 663 Millionen Euro an EU-, Bundes- und Landesmitteln in die rheinland-pfälzische Landwirtschaft und die Entwicklung ländlicher Räume fließen.


Das Programm beruht auf drei thematischen Säulen

  • Maßnahmen zum Umwelt- und Klima- und Tierschutz, Förderung von Vertragsnaturschutzmaßnahmen oder landwirtschaftliche Extensivierungsmaßnahmen, insbesondere im Bereich des konventionellen Landbau sowie die Förderung des ökologischen Landbaus,

  • Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe auf den regionalen und globalen Märkten, einschließlich der Verbesserung des Tierwohls, zur Einkommensdiversifizierung und zur Stärkung der Direktvermarktung sowie

  • vielfältige Maßnahmen zur Intensivierung der Bürgerbeteiligung bei Projekten zur Entwicklung des Ländlichen Raums, insbesondere im Rahmen des LEADER-Ansatzes.


Hinzu kommen inhaltlich übergreifende Maßnahmen in den Bereichen Beratung und Wissenstransfer sowie Cluster und Netzwerke. Ein neues Element sind die Europäischen Innovationspartnerschaften (EIP Agri). Ziel ist es, die landwirtschaftliche Praxis durch Zusammenarbeit von Praktikern aus der Land- und Forstwirtschaft sowie Akteuren aus Wissenschaft, Forschung und Beratung nachhaltig zu verbessern.


Landwirtschaft und der ländliche Raum sind von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit von Rheinland-Pfalz. Sie sind mehr als Nahrungsmittelproduktion und malerische Landschaften. Mehr Regionalität, verbesserte Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen, Ernährungs- und Futtermittelsicherheit, Klima-, Umwelt-, Arten- und Tierschutz sowie die Sicherung ländlicher Räume als wertvoller Lebens- und Wirtschaftsraum insgesamt sind anstehende Herausforderungen. Diese können wir nur gemeinsam mit einer bäuerlichen, wettbewerbsfähigen, mittelständischen und ressourceneffizienten Landwirtschaft und den Menschen in den ländlichen Räumen meistern.


Mit EULLE tragen wir dazu bei, dass die Landwirte und Landwirtinnen, diese gesellschaftlichen Erwartungen erfüllen können. Mit EULLE können lokale Akteure getreu dem Bottom-up Prinzip eigene Entwicklungsstrategien für den ländlichen Raum erproben und umsetzen. Von EULLE profitiert unsere Land- und Weinwirtschaft genauso wie der Natur- und Artenschutz, die Wasserwirtschaft, unsere historischen Kulturlandschaften, der ländliche Tourismus und der ländliche Raum insgesamt.


Mit EULLE werden die Mittel gezielt nach dem Prinzip‚ öffentliches Geld für öffentliche Leistungen eingesetzt. So werden gegenüber der vorangegangenen Förderperiode zusätzliche Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen der Landwirtschaft eingeführt, wie zum Beispiel vielfältige Kulturen im Ackerbau, die umweltschonende und tiergerechte Bewirtschaftung von Grünland und die Anlage von Gewässerrandstreifen. Bei der Förderung von Investitionen in die Tierhaltung wird den Verbraucherwartungen nach besonders tiergerechten Ställen Rechnung getragen. Zudem wurde die Bürgerbeteiligung bei der Auswahl und Umsetzung innovativer Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raums durch die Erhöhung der Mittel für die LEADER-Regionen und die Aufstockung der Anzahl lokaler Aktionsgruppen deutlich ausgebaut.


Während der gesamten Förderperiode wird der EULLE-Begleitausschuss mit Vertretern der beteiligten Ministerien und Verwaltungsbehörden, der Europäischen Kommission, des Bundesministeriums für Ernährung. Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie zahlreichen repräsentativen Wirtschafts- und Sozialpartnern einschließlich der Vertreter diverser Interessengruppen des ländlichen Raumes (z.B. Landwirtschaft, Weinbau, Gartenbau, Forst, Vermarktung, Frauen im ländlichen Raum, Landjugend, Verbände des Natur- und Umweltschutzes, kommunaler Bereich, etc.) das Programm begleiten und notwendige Anpassungen und Weiterentwicklungen anstoßen.


Ich bin zuversichtlich, dass wir mit EULLE viele positive Impulse in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum von Rheinland-Pfalz setzen und diesen langfristig als attraktiven Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum erhalten können.


Dr. Volker Wissing





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