Bor vernachlässigen oder düngen?

Stand: 03/22/2007
Autor: Stefan Ernert, DLR Westerwald-Osteifel


Seit mehreren Jahren wird Bormangel in unseren Böden festgestellt und ist ein zunehmendes Problem.
Bor ist im Boden eigentlich genügend vorhanden, nur nicht in ausreichendem Maße pflanzenverfügbar. Insbesondere bei Trockenheit und auch bei hohen Kalkgaben und in humusarmen, leichten Böden und oder mit hohen pH-Werten ist Bormangel häufiger möglich.
Bor ist ähnlich wie Stickstoff und Schwefel sehr beweglich im Boden und wird leicht ausgewaschen. Das pflanzenverfügbare Bor im Boden wird durch physiologisch saure Dünger erhöht.


Einen hohen Borbedarf von ca. 500 g haben z.B. die Kohlarten- vorrangig Winterraps -, die Rüben, sprich Zuckerrüben. Getreide hingegen hat nur einen Bedarf von 50 g/ha und reagiert negativ auf zuviel verfügbares Bor im Boden.
Bormangel führt im Extremfall bei der Zuckerrübe zur Herz- und Trockenfäule, bei Raps zu Verstauchungen jüngerer Blätter, Sitzen bleiben der Pflanzen, Rissbildungen im Stängel und zu einem hohlen Zentralzylinder in der Wurzel, sowie zu Verkorkungen und Verwachsungen der Wurzel.
Dies liegt daran, dass Bor in der Pflanze nicht beweglich ist, d.h. nicht aus alten Blättern zu jungen Blättern transportiert wird und die Punkte mit starkem Wachstum nicht mit Bor versorgt werden. Entsprechend negativ reagiert die Pflanze an den Wachstumszonen auf den Mangel.
Bor sollte nur bei Mangel gedüngt werden. Bor sollte aus o. g. Gründen auch nicht auf Vorrat gedüngt werden, weil es zu Schäden vor allem in nachfolgendem Getreide kommen kann. Eine Bodenuntersuchung auf Bor ist vor dem Anbau von Raps und Zuckerrüben alle 6 Jahre ratsam.
Langjährige Versuche des Rheinischen Zuckerrübenverbandes führten in unterversorgten Böden zu Mehrertrag und 19% mehr Zuckerertrag, während gut versorgte Böden keinen Mehrertrag zeigten.
Gleiches dürfte bei Raps der Fall sein, da Bor nicht nur den Zucker und die Stärke (Kohlenhydratstoffwechsel) beeinflusst, sondern auch die Blütenbildung, die Befruchtung und das Wachstum fördert, und bei Raps zu einem geringeren Schotenansatz und Kornbildung führt. Versuche der BASF zeigten einen Mehrertrag von 2-2.8 dt/ha.


Bor wird vorzugsweise als Blattdünger ausgebracht.
Zu Zuckerrüben wird Bor meist als Blattdünger zum Reihenschluss der Rüben gegeben. Die Erfahrung aus diesen Versuchen, sämtliche Bordünger sind geeignet, Versuchserfahrungen wurden überwiegend mit Solubor DF, EPSO- Microtop- Bittersalz, Lebosol-Bor gemacht.
Bei Raps ist bei starkem Mangel schon eine kleinere Herbstgabe von 200 g/ha
im 5-6 Blattstadium möglich. Normalerweise erfolgt aber die Blattdüngung vornehmlich im Frühjahr im Knospenstadium maximal bis die ersten Blüten sichtbar werden. D. h., man kann diese Blattdüngung sehr gut mit einer Insektizidmaßnahme oder Wachstumsregler kombinieren
(Mischbarkeit beachten, wie z. B. bei Ultracid 40).
Bei der Blattdüngung werden in der Regel maximal 1%-Lösungen gemacht und 200 bis 800 g Bor/ha ausgebracht. Höhere Mengen sollten gesplittet werden.
In der Stufe C reichen entsprechend dem Entzug ca 200 – 500 g Bor/ha, niedrige Gaben auf leichten Böden und höhere Gaben auf schwereren Böden.( z. B.: 1,5-2 kg Solubor DF, 3.-.4 kg Nutribor, 2-3 l Lebosol-Bor, 20 - 30 kg EPSO-Microtop- Bittersalz etc.).
Bei sehr starkem Mangel können auch 1,5 bis max. 3 kg Bor /ha über den Boden mit ASS – Bor oder anderen borhaltigen Düngern gedüngt werden.
Der Gehalt an Bor im Boden wird neuerdings nach der CAT-Methode untersucht.
Sie wird z.B. in Bayern und anderen Ländern seit 2003 angewandt, weil sie billiger und einfacher ist.

Tabelle 31:Richtwerte für Borgehalte (mg/kg Boden) in Mineralböden auf Ackerland
(CAT-Methode)
Gehaltsstufe
Bodenart
S
l'S
lS
sL - T
pH-Wert < 6,0 *)
A
< 0,10
< 0,12
< 0,15
< 0,20
C
0,10 bis 0,30
0,12 bis 0,40
0,15 bis 0,50
0,20 bis 0,60
E
> 0,30
> 0,40
> 0,50
> 0,60
pH-Wert > 6,0
A
< 0,15
< 0,20
< 0,25
< 0,35
C
0,15 bis 0,40
0,20 bis 0,60
0,25 bis 0,80
0,35 bis 1,0
E
> 0,40
> 0,60
> 0,80
> 1,0
*)Die CAT-Methode ist für die Untersuchung von Böden mit einem pH-Wert < 5 auf den Borgehalt nicht geeignet. Es wird daher auf diesen Böden empfohlen, erst ein Jahr nach erfolgter Aufkalkung die Bodenuntersuchung nach der CAT-Methode durchzuführen.



Tabelle 32:Empfohlene Bordüngung in Abhängigkeit vom Borgehalt des Bodens
Gehaltsstufe
empfohlene Bordüngemenge (kg B / ha)
leichte Böden
mittlere und schwere Böden
Mais, Raps, Kohl
Rüben, Luzerne
Mais, Raps, Kohl
Rüben, Luzerne
pH-Wert < 6,0 *)
A
0,4 bis 0,8
1,0 bis 1,5
0,5 bis 1,0
1,0 bis 2,5
C
0,5
0,5
0,5 bis 1,0
0,5 bis 1,0
E
0
0
0
0
Quelle: Leitfaden für die Düngung von Acker und Grünland, Bayerisches Landesamt für Landwirtschaft





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